Wednesday, August 30, 2006

Die McDonaldisierung von Intersex-Aktivismus
Von Curtis E. Hinkle

Nachdem ich den folgenden Artikel gelesen habe:
http://www.isna.org/faq/not_eradicating_gender
(Diese Gruppe unterstützt nur die rigide binäre Geschlechterordnung)

begann ich darüber nachzudenken, wie viele von uns in der Intersex-community sich marginalisiert, lächerlich gemacht und aus Gruppen ausgeschlossen fühlen, die für uns sprechen.

Man stelle sich eine Welt vor, in der die Haupttrennung zwischen Individuen die Größe wäre. Dies wäre das erste, was bei der Geburt festgestellt würde und müßte auf der Geburtsurkunde vermerkt werden.

Man stelle sich eine Welt vor, in der große Leute kleine Leute dominierten und es sehr schwer für eine kleine Person machten, eine große Person zu werden und umgekehrt.

Man stelle sich eine Welt vor, in der mittelgroße Leute nicht legal existieren könnten, ohne als eine große Person oder eine kleine Person festgelegt zu werden.

In dieser Welt wären dieses die möglichen Lösungen, um mittelgroßen Leuten Personenstatus zu gewähren: Zwangshungern oder Zwangsernährung, um nicht diese fürchterliche Zweideutigkeit zu haben, denn alle wissen, daß jeder in Wirklichkeit eine große Person oder eine kleine Person ist. Sie könnten vielleicht einfach nur eine große Person mit einem angeborenen Defekt sein, der sie eher wie eine kleine Person aussehen läßt oder umgekehrt.

Damit die großen Leute ihren Machtstatus behalten können, muß die Unterteilung rechtlich und sozial allen Mitgliedern auferlegt sein, damit alle ihren Platz als große oder kleine Person kennen.

Dies wären die Konsequenzen einer solchen legal auferlegten Norm:

1) Große Leute können nur kleine Leute heiraten und umgekehrt.
2) Große Leute haben einen Anspruch auf mehr Geld, Macht und Prestige.
3) Kleine Leute müssen sich um die alltäglichen Bedürfnisse großer Leute kümmern.
4) Man kann nur von einer kleinen Person zu einer großen Person werden, nachdem man als geisteskrank eingestuft wurde und danach einer Zwangsernährung unter ärztlicher Aufsicht zugestimmt hat.
5) Niemand kann jemals eine mittelgroße Person werden. Das ist illegal.

Eine Gruppe von Leuten, die mittelgroß sind (Gruppe A) fühlt sich marginalisiert und beschließt, die herrschende Ordnung des Zwei-Größen-Systems zu bekämpfen, weil sie es als unterdrückend empfinden, und sie der Meinung sind, daß es ihnen unnatürliche Behandlungen auferlegt, um sie anzupassen. Sie empfinden auch, daß ihre natürliche Größe nicht wahrgenommen wird und daß ihre Identitäten in einem solchen System ausradiert werden. Sie fühlen, daß die Einteilung von Menschen anhand ihrer Größe nicht notwendig ist und nicht nur ihre eigene Unterdrückung, sondern auch die von anderen verstärkt. Man sollte einfach eine Person sein können und die gesetzlich garantierten Rechte haben, die alle anderen auch haben. Eine andere Gruppe von mittelgroßen Leuten (Gruppe B) findet die binäre Einteilung genau richtig, weil sie wissen, daß sie in Wirklichkeit eine große oder kleine Person sind, und fühlen sich ganz gut mit dieser binären Einteilung.

Meine Frage ist: Welche Gruppe von mittelgroßen Leuten agiert ausschließend und marginalisierend der anderen gegenüber?

Nächste Frage: Gruppe B behauptet, daß Gruppe A für eine größenlose Gesellschaft kämpft. Stimmt das wirklich?

Nein. Gruppe A kämpft für das Recht der Leute, jede Größe zu haben und die selben Rechte wie alle anderen, unabhängig von der Größe, zu haben. Sie glauben nicht, daß Größe etwas ist, das einfach verschwinden wird. Sie glauben, es ist nichts, das Leuten entgegen ihrem Willen und mit nur zwei Wahlmöglichkeiten auferlegt werden sollte - groß oder klein. Sie möchten dem "Größismus" ein Ende setzen.

Ein Argument, das oft von intersex-Binären benutzt wird, um intergender und transgender Mitglieder innerhalb unserer community zu marginalisieren, ist folgendes:

"Viele Leute, die nicht intersexuell sind, identifizieren sich auch als intergender.
Viele Leute, die nicht intersexuell sind, identifizieren sich auch als transgender."

Wir möchten das offensichtliche feststellen:
Viele Leute, die nicht intersexuell sind, identifizieren sich innerhalb des binären x oder y, das auch nichts spezifisches für Intersexuelle ist und Binäre keine "gültigere" Gruppe innerhalb der Intersex-community werden läßt.

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